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Schlafentzug


Nonstop bedeutet schliesslich, nicht nur tagsüber zu fahren sondern auch nachts.


Also habe ich mich einer längeren Testfahrt mit reichlich wenig Schlaf gestellt:


Ostern an der Ostsee


Eigentlich sollte es eine genussvolle Ostseetour von Travemünde Richtung Rügen, immer entlang der schönen Steilufer werden. Nichts technisch schweres und ohne nennenswerte Höhenmeter. Es kam etwas anders als von mir erwartet. Aber lest selbst:


Donnerstag mit dem Mini hoch nach Travemünde.


Am Timmendorferstrand gibt es einen grosszügigen Parkplatz für Wohnmobile die nur kurzfristig bleiben.

Also ein eingezäunter Platz mit einer öffentlichen Toilette mehr nicht. Hier stand ich nun am Donnerstag und draussen schüttete es wie aus Eimern. Das war so unwirklich und ungemütlich da draussen, dass ich mich entschied eine Nacht im Auto zu schlafen und erst am Freitag um 5:00 Uhr zu starten aber am Freitag war es noch immer zu warm und es regnete weiter anstatt zu schneien.


Ich entschloss noch einen ganzen Tag und eine weitere Nacht im Mini zu verbringen und mich erinnerte diese Situation irgendwie an Bergsteiger die in einem Basislager auf gutes Wetter warteten...


Samstag dann das erhoffte Wetter.


Schnee trockener schöner eisiger Schneee der von der Kleidung abfällt und nicht schmilzt. Dabei war es zwar sehr sehr windig doch der Wind kam aus nördlicher (also seitlicher) Richtung und da die Wege wirklich direkt am Ufer entlang laufen übertrug dieser lautstark das brechen der doch schon sehr ansehnlichen Wellen der tosenden See.


Das Wetter war also hervorragend, Windböhen, frische peitschende kalte Luft von der Seite, die hügeligen Wege des Steilufers und die Akustik machten aus diesem Tag eine wunderschöne und vor allem abwechslungsreiche Bike-Tour.


Bis jetzt war ich sehr zufrieden was die Auswahl meines Equipments anging. In kompletter Wintermontur wog der Transalp ca. 8kg. (Das Zelt am Bike) Da ich in den Anziehsachen auch schlafen musste, fuhr ich gerade nur so schnell, dass ich warm blieb aber nicht anfing zu schwitzen. Nicht immer einfach bei dem sich teilweise spontan drehenden Winden und teilweise langen Berganfahrten.


Da ich das Zelt lange nicht mehr aufgebaut hatte, entschloss ich mich dieses noch im hellen zu richten.


Einen Strand gab es heute leider nicht. Zu wild war die See und sie verschluckte alles was auch nur im geringsten nach Strand aussah.


Ich verschlug mich in die Dünen und meine Stirnlampe hielt mich bis ca. 1:00 Uhr wach.


Als ich am nächsten Tag aus meinem Einmannzelt herauskrabellte, war ich sehr überrascht über das sehr schöne Wetter. Sonne, kaum Wind und die See war so ruhig als hätte jemand über Nacht den Schalter für den Wellengang auf off gedreht.


So lies es sich sehr angenehm bei kalter frischer Seeluft auf wunderschönen Trails entlang der Steilküste biken.


Die zweite Nacht (der Wind zog gegen Abend merklich an) suchte ich mir einen Platz hinter einer Grillhütte auf wunderbar sandigweichem Boden. Um 5:00 Uhr rappelte der Handyalarm und heute war es alles andere als einladend um eine Tour zu beginnen.


Der Wind und die Kälte OK aber der dicke schwere und dadurch klitschnasse Schnee liess schon erahnen das es heute ungemütlich wird.


Der heutige Tag führte oft durch kleine Wälder mit sehr schlammigen Trails und glitschigen Wurzeln dann geht es wieder stundenlang durch Moor.- u. Naturschutzgebiete wo die unterschiedlichten Vogelarten für eine akustische Abwechslung sorgten.


Gegen Nachmittag, gerade als ich wieder aus einem kräfteraubenden Moorgebiet ausgespuckt wurde, gingen die Pferde mit mir durch. Ich hatte endlich wieder festeren Boden unter den Stollen und freute mich so sehr darüber, dass ich mich zu einem spontanen Wheelie hinreissen lies. Das doofe war nur, das sich auf den letzten Kilometern viele nette Salzkristale zwischen Bremsklötze und Bremsscheibe setzten. Die Bremse hat auf jeden Fall kompl. versagt. Als ich wie gewohnt zu weit nach hinten zu kippen drohte und die hintere Bremse zog tat sich einfach NIX. Ich schlug nach hinten über und landete auf meinen dicken weichen Rucksack. Nicht so toll: die dicke linke Hüftschlaufe ist dabei abgerissen und somit liess sich der Transalp nur noch mit dem Brustgurt fixieren.


Als ich weiter wollte, merkte ich, das auch die Sattelstütze gebrochen war. OK, das Zelt auch noch mit an den Rucksack gezurrt und den Rest im Stehen fahren.


Das blöde ist einfach diese nasse Kälte und das eisige Spritzwasser von den Reifen das einen permanent attakiert und den Weg durch die Kleidung zum Körper sucht.


Um 22:00 Uhr fand ich mich dann auf einem evangelischem Familien-Feriendorf wieder.


Auf meine Frage hin, ob ich unter dem von mir entdeckten Carport oder Vordach zelten dürfte, meinten die netten Leute an der Reception: Bei ihnen müsse an Ostern bei diesem Wetter kein Mensch draussen schlafen.


Sie boten mir für ganz kleines Geld ein Zimmer mit Dusche und Heizung an und ich musste nicht lange übelegen um mich für eine warme Unterkunft zu entscheiden.


Am nächsten Tag ging es dann mit dem Zug zurück nach Trave.


Es sollte eigentlich eine vergnügliche und nette Tour an der Ostsseküste entlang werden bei der ich nur erfahren wollte wie sich der Schlafentzug auswirkt.


Bei diesen Witterrungsverhältnissen, war es dann doch eher schon wieder ein kleines Abenteuer und die Erfahrung zeigt, das Kälte sehr hilfreich sein kann wenn es heisst lange wach zu bleiben.