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Samstag, 10.07.2004 - Anreise

Planung Anreise privat nach Berchtesgaden, anschließend Tourenbesprechung

Live-Ticker Marcel ist gut angekommen, die paar Staus zwischen Remscheid und Ziel waren auch kein Problem ;O)



Sonntag, 11.07.2004 - 1. Etappe

Planung Zum Hintersee und über den Hirschbichl (1148 m) ins Saalachtal (625 m), weiter über den Römersattel (1202 m) nach Fieberbrunn und über den Lämmerbichl (1673 m) nach Kitzbühel

2200 Hm und 70 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Die erste Etappe ist vollbracht. Bei 2200 zu bewältigenden Höhenmetern hatten die Biker zum ersten Mal die Gelegenheit sich in der Gruppe einzuordnen.

Als Singlespeeder musste Marcel seine Trittfrequenz bergab und in der Ebene ordentlich nach oben schrauben, hat sich in die Gischt seiner Vorderleute getrampelt und das was er nicht abbekommen hat an die Nachfolgenden weitergereicht. Nasses Windschattenfahren war angesagt und brachte bei der Singlespeedübersetzung zumindest einen kleinen Vorteil.

Da die Tour nunmal durch die Alpen führt, waren drei 'Bergwertungen' zu absolvieren, einmal 400, einmal 600, einmal 900 Höhenmeter. Die 900 Höhenmeter mussten an einem Stück bewältigt werden.

Die Steigungen waren teilweise über 20%, die erste war bei der auf Grund der Nässe herabgesetzten Traktion nicht leicht und sehr anstrengend. Trotzdem war Marcel bei den Bergwertungen in bester Wiegetrittmanier stets vorne mit dabei.

Soweit ist alles gut gelaufen.


Wetter:

Dicker Regen, ungefähr 10 Grad, in den Höhen meistens 5 Grad erweckten nicht gerade den Eindruck des im Kalender erwähnten Sommers. Es war lt. Marcel: ''Richtig scheiße kalt.''


Material:

Der Singlespeeder macht eine gute Figur, braucht eine kundige Hand, untersteuert sehr gerne. Marcel ist gespannt wie`s auf Singletrails wird und vermutet nach den bisherigen Eindrücken das er sehr wendig sein wird.

Das Material hat gehalten, die Bremse muss man allerdings noch ein bisschen einstellen.



Montag, 12.07.2004 - 2. Etappe

Planung Mit Blick auf Hahnenkamm und Streif über den Pengelstein (1938 m) zum Stangenjoch (1713 m) und bergab in den Oberpinzgau, an den Krimmler Wasserfällen vorbei über den Gerlospaß (1510 m) nach Mayrhofen im Zillertal

2700 Hm und 100 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Gäbe es ein Bergtrikot, Marcel würde es tragen. Den ersten Uphill von 1.100 Höhenmetern auf den Pengelstein heute vormittag hatte er als erster absolviert.

Nachdem sich das etwas auseinander gezogene Fahrerfeld wieder gesammelt hatte, ging es erst einmal wieder bergab. Auch nicht gerade eine Spazierfahrt, denn das erneut teilweise extrem schlechte Wetter hatte die mitunter steilen Abfahrten zu kaum fahrbaren Teilstücken verwandelt.

Und das zog sich die gesamte Etappe hindurch.


Marcel hat zwischendurch Probleme mit den Schultern, dem Rücken und dem rechten Ellenbogen. Eine Federgabel würde hier vielleicht Abhilfe schaffen können, aber das hätte wieder einiges an Mehrgewicht bedeutet das sich beim Uphill negativ bemerkbar gemacht hätte.

Trotz der Probleme scheint der Schwalbe Fat Albert light 2.35'' mit 1,5 bar Druck ein guter Kompromiss zu sein um die fehlende Dämpfung durch eine Federgabel teilweise zu kompensieren. Allerdings ist natürlich der bei dem geringen Luftdruck auftretende erhöhte Rollwiderstand gerade bergauf nicht zu unterschätzen. - Die Kunst die goldene Mitte zu wählen. Auf den nächsten Etappen wird sich herausstellen wie gut Marcel seine Komponenten zusammengestellt hat.


3 Powerbars und 6 Gels, das ist die Treibstoffbilanz die Marcel auf der heutigen Tour aufgestellt hat, immer einen Powerbar am Lenker klebend. Die wohlverdienten Einkehrpausen mit der Truppe sind dabei noch nicht mitgerechnet. Denn auch hier haben die Jungs eher zwei als nur eine Portion bestellt. Auch beim Frühstück bleibt gar nichts übrig.

Wie Achim Zahn schon sagt: ''Biker sind Geier!'' Auch auf dieser Tour haben diese Worte ihre Gültigkeit!

In Mayrhofen angekommen, gelten für die ganze Truppe nur zwei Wünsche: Essen und erholen.


Wetter:

Es wird wohl so weitergehen... Auch heute plagte Marcel wieder der Regen, der sich heute besonders in's Zeug legte und meinte sich zu Eisregen und Schnee mausern zu müssen. Teilweise lagen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Wahrlich kein Zuckerschlecken!


Material:

Keine Probleme. Allerdings zeigt sich jetzt schon das der Verschleiß der Bremsbeläge über normal liegt. Kein Wunder bei dem schlechten Wetter.



Dienstag, 13.07.2004 - 3. Etappe

Planung Bergauf zum Schlegeisspeicher und über das Pfitscher Joch (2248 m) nach Südtirol, unter den Hochferner-Eiswänden vorbei nach Sterzing

1800 Hm und 65 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Mayrhofen war der Startpunkt zur heutigen Etappe. Keine halben Sachen, es ging direkt los mit einem Uphill der es mit insgesamt 1.600 Höhenmetern am Stück in sich hatte. Gerade die letzten 500 Höhenmeter hatten es in sich: Davon waren zuerst 100 Höhenmeter bester Singletrail zu bewältigen - für Marcel ein wahrer Spielplatz der schon zu Fuss nur schwer zu erklimmen war. Hier konnte sein Singlespeeder von Endorfin erstmals seine Wendigkeit richtig unter Beweis stellen. Trotz der Anstrengung war es ''Spass pur'' für Marcel. Der Spass hatte danach aber leider auch sein Ende, denn der Singletrail ging in ein Teilstück von 400 Höhenmetern mit einem Untergrund von faustdickem und durchnässten Kies über, der das Fahren zu einer wahren Traktionsschlacht machte.

Aber der Schweiß in der mal wieder kräftezehrenden Kälte hatte sich gelohnt. Die Bergetappenstory der vorangegangenen ersten beiden Etappen setzte sich für Marcel fort. Um punkt 13 Uhr kam er als erster oben an und traf auf eine andere Gruppe Biker die kurz vor ihm das Pfitscher Joch erklommen hatte. Allerdings schiebend ...

''Das nenn ich Kraft!'' tönte es ihm entgegen und Marcel erwiderte: ''Ist ja auch einfach.''

Die verwunderte Nachfrage warum es denn einfach sei, beantwortete er mit einem Hinweis auf seinen Singlespeeder, was wiederum einige Kinnladen zum Absturz brachte.

Nach der großen Portion Pasta, die die Akkus der Teilnehmer wieder auflud, hieß es die weiteren Kilometer nach Sterzing in Angriff zu nehmen. Die zunächst folgende Abfahrt brachte erfreuliches: Sonne! Endlich mal raus aus den Winterklamotten, die bisher notwendig waren um nicht am Rad festzufrieren. Hat der Winter ein Ende? Marcel und seine Mitstreiter sind zur Zeit an der Südseite eines Alpenkamms unterwegs.

Bis nach Sterzing folgte ein auf und ab dem anderen und um halb fünf war man schließlich da.


Die körperlichen Probleme ließen Marcel heute leider nicht in Frieden, die Schultern und der Rücken machten sich häufiger bemerkbar, der Ellenbogen blieb aber weitestgehend ruhig.

Zweimal am Tag ist Massage angesagt, um die Regeneration der strapazierten Muskeln zu unterstützen.

Dieter, zufällig ein ehemaliger Masseur der Bundeswehr, kommt Marcel da natürlich wie gerufen.


Wetter:

Es scheint sich zu bessern. Man kann zwar immer noch nicht von Sommer reden, aber zumindest der Frühling kann zeitweise den Winter vertreiben.


Material:

Wie sich gestern schon angebahnt hat, hält der erste Satz Bremsbeläge nicht mehr lange. Durch die schlechten Wetterbedingungen wird das Material regelrecht weggefressen. Morgen wird ein neuer Satz fällig sein. Schon nach drei Etappen. Ansonsten läuft das Bike und seine Komponenten reibungslos.



Mittwoch, 14.07.2004 - 4. Etappe

Planung Durch das Ridnauntal auf alten Knappenwegen über den Schneeberg (2687m) mit Besichtigung des Kaindlstollen, nach der Brotzeit auf der Schneeberghütte bergab zur Timmelsjoch- Südrampe und nach Moos im Passeier (1007 m)

1700 Hm und 45 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Jede Erholung und jede gut geschlafene Nacht hat einmal ein Ende. So auch heute, Marcel und seine Kumpels starteten in Sterzing zur 4. Etappe.

Der Schneeberg rief mit seinen 2.687 m danach mit dem Bike erklommen zu werden. Es waren 1.100 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden. Es warteten grobschottrige Pisten die teilweise eine Steigung von über 20% hatten. Aber diese Steigungen gab's auch in den letzten Tagen schon reichlich und für Marcel haben sie mittlerweile ''ihren Schrecken verloren''.

Während des Anstiegs auf den Schneeberg war kurzzeitig Erholung angesagt. Es stand die Besichtigung eines Bergwerkmuseums auf dem Plan.

Um zehn nach elf war Marcel als erster am Poshhaus angekommen. Achim folgte als zweiter mit einigen Minuten Abstand. Als das Team wieder vollzählig war, kam der angenehme Teil namens Brotzeit. Die hatten die Jungs auch nötig, denn es kam danach dicke.


Biken war kaum noch möglich, selbst für Marcel nicht, denn der Trail wurde immer verblockter und steiler. Erst ging es nur noch schiebend voran, dann mussten die Bikes geschultert werden und zu guter Letzt hieß es sich das Rad auf den Rücken zu hieven. Hart am Fels kletternd erkämpften sich alle Höhenmeter um Höhenmeter. Dabei querte der Weg das eine oder andere Schneefeld.

Aber, getreu dem Spruch 'Nach dem Uphill folgt der Downhill!' hieß es danach die mühsam erkämpften Höhenmeter wieder zu vernichten.

Ein technisch sehr anspruchsvoller und mit einigen Stufen versehener Singletrail forderte schonungslos jede antrainierte fahrerische Spitzfindigkeit.

Und dabei hatte Marcel einiges mehr auf sich zu nehmen, denn den Luxus einer die dicken Brocken wegschluckenden Federgabel konnte er sich nicht gönnen. Einzig die low-pressure Fat Albert Reifen kompensierten die lt. Marcel zu schaffende ''heftige Rappelei''.

Aber dafür entschädigten grandiose Panoramen und spornten zum Weiterkurbeln an.


Um kurz nach halb fünf war das Ziel Moos erreicht und man hatte während der Tour festgestellt, das biken kreativ macht. Abends wird die Anzahl an halben Litern Weizen getrunken, die man tagsüber an Powerbars verbraucht hat. Nein, das Gerücht es würde nach dieser Idee der Powerbarverbrauch in die Höhe schnellen wird hiermit dementiert!


Wetter:

Es hat heute mal nicht geschneit! Und die Sonne hat dem Regen einigermaßen Paroli bieten können. Die Temperaturen waren allerdings immer noch nicht berauschend. Die letzten Tage waren einfach zu schlecht um so schnell auf gute Bedingungen hoffen zu können.


Material:

Wie schon auf den ersten beiden Etappen vermutet, erweist sich der Singlespeeder als äußerst wendig. Er braucht dafür allerdings einiges an Erfahrung um in dem schwierigen Gelände gebändigt zu werden. Die Wahl eines Lenkers mit 660mm Breite war genau richtig. Bei einer Standardbreite würde die Performance stark leiden.

Heute hat sich ein Nachteil in der Rahmenkonstruktion gezeigt: Die Anlötführungen für die Bremsleitung sind unterhalb des Oberrohrs verlegt und drücken beim Schultern des Bikes.

Aber seien wir mal ehrlich: Wer schleppt schon einen Singlespeeder wüste Trails in den Alpen rauf?

Thema Bremsen: Heute ist Schicht im Schacht. Die Beläge sind endgültig am Ende. Morgen geht Marcel mit neuen an den Start.



Donnerstag, 15.07.2004 - 5. Etappe

Planung Auf alten Alpiniwegen durch den Texel-Naturpark über das Eisjöchl (2908 m) mit der Stettiner Hütte, nach der Brotzeit bergab ins Schnalstal und auf alten Waalwegen an Reinhold Messners Schloss Juval vorbei in den Vinschgau

2200 Hm und 55 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Es sollte ein harter Tag werden. In mittlerweile altbekannter Manier startete man mit einem Uphill. Die ersten 600 Höhenmeter des Tages konnten mit dem Bike absolviert werden, bis eine Hütte den Punkt markierte ab dem keiner der Teilnehmer mehr im Sattel bleiben konnte.

Es folgten weitere 1.100 Höhenmeter die schiebend geschafft werden mussten. Mit Bikeschuhen über steile, teils mit Schnee bedeckte Trails. Bei bald jedem Schritt nach vorn rutschten die Jungs ein Stück wieder zurück und so manch einer wünschte sich ein Seil um eine Steighilfe zu haben.

Die Stettiner Hütte erreichten alle gegen Mittag und wohl denen die sich keine Blasen gelaufen hatten.

Der Großteil der heute zu bewältigenden Höhenmeter war geschafft, als es das Eisjöchl wieder bergab ging. Hier war absolute Aufmerksamkeit angesagt, denn das Gelände war tückisch, sehr steil und ein Sturz hätte das Ende der Tour bedeuten können.

Der erfahrene Alpencrossguide Achim Zahn mahnte dementsprechend zur Vorsicht und keiner der Teilnehmer ging das Risiko ein zu fahren. Vor dem Abstieg absolvierten alle in der Gruppe Achims Crashkurs in punkto richtiges Sturzverhalten für den Fall der Fälle in denen man sein Bike lieber den Felshang abstürzen lassen sollte als selbst an dessen Stelle zu sein. - Die Alpen sind trotz ihrer Schönheit nicht zu unterschätzen.

Es ging alles gut, Mann und Material kamen schließlich wohlbehalten an einem Highlight der Etappe an, dem Schloss Juval von Reinhold Messner. Und wie es der Zufall wollte, der Meister des Bergsteigens war tatsächlich anwesend und lud gerade Bilder aus seinem blauen Vectra Kombi aus. Marcel entschloss sich kurzerhand ihn einfach anzusprechen bevor es nach ein paar gewechselten Worten auf dem Juval-Weg hieß wieder in die Pedale zu treten.

Ein wahrer ''Evil Eye'' sorgte für den fahrerischen Spass der heutigen Etappe und die Jungs genossen ihre wiedergewonnene Bewegungsfreiheit nachdem die, wieder einmal notwendig gewordene, Winterbekleidung in den Rucksäcken verstaut werden konnte. Man merkte das es ein Stück gen Süden ging.

Die Gruppe wurde heute etwas gesplittet. Zwei Biker nahmen zeitweise eine alternative Route um Kraft zu sparen und einer erreichte im Begleitfahrzeug das Ziel. - Unser Singlespeedfahrer Marcel zog die 55 Kilometer und 2.200 Höhenmeter allerdings wieder komplett durch!


Wetter:

Der Süden lockte ein wenig Sonne und in der zweiten Tageshälfte kam so etwas wie ein laues Sommerfeeling auf.


Material:

Die neuen Bremsbeläge sind heute eingebremst worden, zum Rest muss nicht viel gesagt werden. Alles in Ordnung!


Freitag, 16.07.2004 - 6. Etappe

Planung Durch die Obstgärten des Vinschgau zum Cappucchino nach Glurns, auf Radwegen ins Münstertal/ Schweiz, an der Südauffahrt zum Ofenpaß und über den Passo Val Mora (1934 m) zum Lago San Giacomo

2000 Hm und 70 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Der Vormittag zeigte sich der Gruppe von Längsalpencrossern heute gnädig. Zum Einen spielte das Wetter mit und zum Anderen wurde auch die Gegend ein wenig sommerlicher. Das Vinschgautal stand früh morgens auf dem Programm, das mit seinen Apfelbaumplantagen komplett durchquert wurde. Nachdem das Tal sein Ende gefunden hatte, hieß es natürlich den nächsten Anstieg in Angriff zu nehmen, der die Biker mit losem Schotter und 700 Höhenmetern erwartete.

Marcel hatte sich für heute vorgenommen, den Ball etwas flacher zu halten um die in den letzten Tagen immer weiter zunehmenden Strapazen etwas auszugleichen. Bei Steigungen von permanent mehr als 10 % gestaltete sich dieses Unterfangen allerdings als sehr schwierig, denn mit dem Singlespeeder ist nunmal eine gewisse Grundgeschwindigkeit notwendig. Gerade bei Schotter. Und so konnte sich Marcel, diesmal gezwungenermaßen, erneut einen Sieg in der Bergwertung auf die Fahne schreiben.

Es wäre auch zu schön gewesen um wahr zu sein als das man einen ganzen Tag lang den zaghaften Sommer hätte genießen können, denn mittags zogen dicke Wolken auf und während man einen Trail fuhr, der mehr einem Grad am Abgrund glich, brach ein Gewitter los wie man es nur in den Bergen kennt. Krachender Donner und heftige Blitze sorgten dafür das sich die Jungs ''wie mitten in einem Playstationspiel'' fühlten.

Die heutige Etappe war durchzogen von vielen kleinen Up- und Downhills.


Die Pflicht ist geschafft! Knapp 13.000 Höhenmeter und gut 400 Kilometer hat Marcel inzwischen bewältigt. Die Distanz einer Alpenüberquerung von Nord nach Süd.

Aber bei den bisherigen Wetterverhältnissen sitzen diese nackten Zahlen wie 20.000 Höhenmeter und 600 Kilometer in den Knochen.


Heute war wieder ein ''Powerbartag''. Marcel konnte seine Riegel allerdings nicht mehr sehen weil ihm Wildbeere nur noch wie Pappe schmeckte und tauschte deshalb mit Achim. Heute hat ihn sommersuggerierende Orange und der Gedanke an das eine oder andere Weizen abends über die Trails motiviert.


Wetter:

Es fing gut an und endete mehr als bescheiden. Den heutigen Wolkenbruch mit Blitzbegleitung konnte man als weiteren Punkt für einen bisher miserablen Sommer markieren.


Material:

Im Gegensatz zum Wetter gibt's hier praktisch nur positives zu berichten. Die Parts von Endorfin, FRM, Hibike, Pace, Schmolke und tune erweisen sich als zuverlässig.



Samstag, 17.07.2004 - 7. Etappe

Planung Über die Cancano-Staumauer auf alten Militärstraßen zu den Torri di Fraele (1941 m), hoch über Bormio unter die mächtige Eispyramide Cima de Piazzi und über den Passo Val Viola (2432 m) ins Poschav unter der Bernina mit anschließender Abfahrt über Sondrio im Veltlin zum Comer See

900 Hm und 140 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Heute war für Marcel der heftigste Tag. Auch wenn sich 900 Höhenmeter und 140 Kilometer nicht so schlimm anhören wie die metrischen Werte der vorangegangenen Etappen. Warum Marcel heute so kämpfen musste, dazu kommen wie gleich, denn der Tag begann ''recht freundlich''.

Das Wetter spielte nämlich mit und zeigte sich von trockener und milder Seite.

Man startete erneut mit einem Uphill, den Marcel in mittlerweile gewohnter Platzierung, nämlich erster, absolvierte. Bevor es an die letzten 150 Höhenmeter ging, stärkten sich die Biker mit einer Riegelpause und nahmen dann einen kaum fahrbaren Trail in Angriff. Alle schoben. Alle? Nicht alle. Marcel Hahn und sein Singlespeeder waren auch hier nicht aufzuhalten.

Es folgte eine lange Bergabkletterei, die die Gruppe an gestern erinnerte und wieder einiges an Konzentration erforderte. Man hätte die Bikes in diesem sehr steilen Gelände am liebsten per Seil abgelassen.


Was danach kam, war der Albtraum eines jeden Singlespeeders. 60 Kilometer, permanent leicht abfallende, Straße am Stück. An sich könnte man hier denken es wäre eine Gelegenheit gewesen sich etwas zu erholen. Aber die Gruppe musste wegen der langen Distanz von 140 Kilometern Tempo machen und so blieb Marcel nichts anderes übrig als sich im Windschatten in dritter Position Kilometer um Kilometer zu erkämpfen. - Eine Strecke die vergleichbar ist mit einer Autobahnfahrt von Remscheid bis hinter Köln. Mit einer Übersetzung von 2,1 zu 1. Während alle anderen Teilnehmer den größten Gang fahren konnten, musste Marcel die ganze Zeit im ökonomisch roten Bereich einer Trittfrequenz von mehr als 120 fahren.

In den Pausen kam die Gruppe recht entspannt an, nur Marcel war ziemlich gebeutelt, was auf Grund der eben beschriebenen körperlichen Strapazen kein Wunder war.

Die Gruppe wünschte sich heute einige Male zurück auf Bergtrails, denn der erhebliche Verkehr rauschte mitunter nur Zentimeter an den Bikern vorbei und machte den langen Straßenabschnitt nicht ungefährlich.

Straße fahren im Windschatten bedeutet auch von der Sitzposition her nicht gerade Abwechslung. Waren es auf den vergangenen Etappen immer mal wieder der Rücken und die Schultern die sich bemerkbar machten, so war es heute das Gesäß das sich bei dieser Distanz nicht mehr mit der harten Carbonschale anfreunden konnte. Insofern steht hier die Überlegung an, für die morgige Etappe den, in weiser Voraussicht mitgenommenen, guten alten Flite zu montieren.


Heute waren zwei Reporter vom Magazin Stern in einer Pause der Etappe vor Ort und schossen schon einmal Fotos. Für morgen ist ein Interview mit Marcel geplant, evtl. wieder während der Etappe, denn einer der beiden Reporter will es tatsächlich wagen die morgige Strecke mitzufahren.


Die Tour hat der Gruppe heute ihren ersten Verlust beschert: Ein Teilnehmer ist vor dem Start der Etappe ausgestiegen.


Wetter:

Hätte es nicht von Anfang an so sein können?!


Material:

Hier gibt es nichts neues zu berichten. Es läuft!


Sonntag, 18.07.2004 - 8. Etappe

Planung Vom Ufer des Lario (200 m) auf alten Militärwegen über den Motto della Tappa (2078 m) nach Carvagna (1071 m) an der Grenze Lombardei-Tessin, weiter über den Passo di San Lucio (1541 m) zum Luganer See (277 m)

2700 Hm und 85 km


Live-Ticker Erlebnisse:

'Uphill ohne Ende'. Diese drei Worte beschreiben treffend die Charakteristik der heutigen Etappe.

Das morgendliche Einfahren begann mit dem ersten Uphill des Tages, auf Teer relativ gut zu bewältigen. Marcel lag wie üblich vorne und wurde begleitet von einem der beiden Journalisten vom Stern. Es stellte sich heraus, das dieser schon die eine oder andere Etappe der Tour de France mitgefahren ist und daran gewöhnt war vorne zu liegen. Trotz der bislang schon gefahrenen 7 Etappen konnte Marcel dem hier frisch an den Start gegangenen Paroli bieten.

Da es hieß sich vom Ufer des Lario auf den Motto della Tappa in 2.078 Metern Höhe zu kurbeln, folgte ein weiterer Uphill. Diesmal 1.000 Höhenmeter Schotterpiste.

Am Scheitelpunkt angekommen, musste ein stark verblockter Singletrail bezwungen werden, der es trotz einer relativ gleichmäßigen Höhenlinie den Bikern schwer machte. Achim schickte Marcel, wie schon in den vergangenen Tagen, bei fahrtechnisch anspruchsvollen Abschnitten an die Spitze damit er sein eigenes Tempo fahren konnte und nicht mit den anderen Bikern in die Quere kam. Das Gelände hätte eigentlich ein Fully aber zumindest eine Federgabel erfordert um befahren werden zu können, aber Marcel konnte seine längjährige Erfahrung im Downhill zu Rande ziehen. - Trailgott? Wer ihn schon einmal in heftigem Gelände fahren gesehen hat, wird bei dem Wort nicht mit dem Kopf schütteln...

Am vereinbarten Treffpunkt wartete Marcel auf die Gruppe und hatte vor dem zweitplatzierten eine halbe Stunde Vorsprung.


Dieter, Marcels Masseur, hatte heute einen schweren Sturz, als er bergab über den Lenker ging. Zwei umgeknickte Finger, von denen einer wieder eingerenkt werden musste, können Dieter aber nicht aufhalten. Es geht weiter.


Die mittlerweile acht Etappen der Tour zehren an der Substanz der gesamten Gruppe. Alle merken die Belastungen der letzten Tage. Marcel spürt bei jeder Kurbelumdrehung jede einzelne Sehne in den Beinen. Es stellt sich mittlerweile die Frage, wann die Grenze des körperlich vertretbaren erreicht ist.

Nachdem ein Downhill nach Carvagna hinunter absolviert wurde, kam - natürlich - ein weiterer Uphill. Wobei das Wort Uphill dem Ganzen in gewissem Sinne nicht gerecht wurde. Rampe ist da eher zutreffend. Permanent Minimum 15% Steigung, gewürzt mit Teilstücken über 20%. Marcel riss förmlich fast den Vorbau vom Gabelschaft und der Rahmen hatte eine Reifeprüfung in punkto Torsionkräfte zu bestehen. Waren es die Bikeparts die bei diesem Wahnsinnsuphill öfter mal ein Knarzen von sich ließen oder Marcels Knochen?

Oben angelangt, testete Marcel die Längung der Rohloff-Kette. Nach 7 1/2 Etappen musste der Radstand verlängert werden. Und wer Rohloff-Ketten kennt, der weiß das man sie nicht allzu leicht ''langmachen'' machen.


Die beiden Journalisten vom Stern konnten auf der heutigen Etappe den Ansprüchen gerecht werden. Einer als Biker erfahren durch Teilnahmen an der Tour de France, der andere als leidenschaftlicher Mountainbiker und obendrein noch frisch, konnten sie sich in der Gruppe einreihen obwohl man merkte das der Rhythmus auf gewisse Weise durch die beiden gestört wurde. Etwas das man nicht verhindern kann, da es einfach normal ist wenn man als Neulinge zu einer auf sich abgestimmten Gruppe von Bikern stößt.


Wetter:

Das bißchen Regen des heutigen Tages konnte man getrost unter den Tisch fallen lassen. Petrus war heute gnädig.


Material:

Der zweite Satz Bremsbeläge ist jetzt schon reif für den Austausch.

Die Rohloff-Kette durchlebt auf dieser Tour schon fast ein ganzes Bikerleben und der Radstand des zur 'Streckbank' mutierten Endorfin-Rahmens musste verlängert werden.


Montag, 19.07.2004 - 9. Etappe

Planung Über den Monte Lema (1620 m) zum Lago Maggiore (202 m), Überfahrt mit dem Fährschiff nach Verbania-Intra, weiter per Bike zum Lago di Orta (303 m)

1400 Hm und 80 km


Live-Ticker Erlebnisse:

''Die Ruhe vor dem Sturm.'' So konnte man die heutige Etappe beschreiben, bevor es morgen an die Königsetappe geht, die mit ihren 3200 Höhenmetern und 105 Kilometern den verbliebenen Bikern alles abverlangen wird das sie nach den ohnehin schon strapaziösen Vortagen noch abrufen können.

Insofern war heute unbedingt Zurückhaltung angesagt um Kräfte für morgen zu sparen. Das Gelände kam Marcel heute bei diesem Vorhaben entgegen und er konnte bergauf endlich einmal eine defensive Fahrweise einlegen ohne, wie während der Voretappen, bei moderatem Tempo und der Singlespeeder-Übersetzung zuviel Kraft aufwenden zu müssen. Also ging heute die eine oder andere Bergwertung nicht an Marcel.

Das die heutige Strecke nicht ganz so sehr an die Substanz ging, kam allen Bikern entgegen. Marcel bekommt mittlerweile erhebliche Probleme mit Bändern und Sehnen, die bei bald jeder Kurbelumdrehung Schmerzen verursachen. Die Grenze des körperlich machbaren scheint langsam aber sicher erreicht. Leider ist auch der Massage-Service für Marcel Geschichte, denn auf Grund der beiden gestern umgeknickten Finger kann Dieter nicht mehr richtig zupacken. Biken ist für ihn zwar noch möglich, eine Massage allerdings nicht mehr.

Auch der heutige Tag forderte seinen Tribut. Ein Teilnehmer wird von einer Blasenentzündung geplagt, ein weiterer musste einen Sturz hinnehmen und kämpft seitdem mit den Problemen die sein seitdem lädiertes Knie verursacht.


Neben den üblichen Up- und Downhills wurde die Etappe von einer abenteuerlichen Durchquerung eines Waldes bereichert. Durch eine schon fast mystische Gegend, in denen die zunehmenden Sonnenstrahlen optische Highlights setzten, kämpfte man sich durch dichtes Gestrüpp an zahlreichen Hausruinen vorbei. Das Bike geschultert, ''wäre eine Machete so manches Mal hilfreich gewesen''. Heute abend war das Absuchen nach Zecken absolute Pflicht.


Ein weiterer Höhepunkt war ein Downhill von 1.200 Höhenmetern am Stück, der einiges zu bieten hatte. Unter anderem zahllose Serpentinen die mit ihren 180° Spitzkehren schon fast ''Super-Moto Feeling'' aufkommen ließen. Hier konnte Marcels Fat Albert seine Stärken voll ausspielen.


Wetter:

Es war so wie man es sich tagelang gewünscht hatte. Trocken und von den Temperaturen her angenehm.


Material:

Soweit alles in Ordnung, nur die Kette scheint sich nach der Zielankunft zu sehnen. Sie hat sich heute erneut soweit gelängt, das Marcel den Radstand wieder etwas vergrößern musste. Ohne die Rohloff-Kettenführung am Kettenblatt und die von Marcel entwickelte Kettenführung am Ritzel wäre die Kette bei starker Belastung abgesprungen.


Dienstag, 20.07.2004 - 10. Etappe

Planung Aus dem Valstrona über den Passo Monte Croce (1272 m) ins Val Sesia (447 m) mit dem Val Grande, weiter über die Bocchetta della Boscarola (1356 m) und Bocchetta di Sessera (1382 m) ins Valle Cervo, dann über den Colle della Colma (1499 m) zum Santuario Oropa, einer gigantischen Klosteranlage (Schwarze Madonna) versteckt in den Bergen

3200 Hm und 105 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Heute morgen hieß es mit den Berghühnern aufzustehen, denn um punkt sieben Uhr ging es los. Um 9 Uhr hatte die Gruppe bereits die ersten 1.000 Höhenmeter bezwungen, auf einem Uphill der so ziemlich alles zu bieten hatte: Teer, Schotter, Forstautobahn und Singletrail.

Bereits zu Anfang merkte Marcel, das die gestrige Etappe mit ihren nicht ganz so strapaziösen Anforderungen und der defensiven Fahrweise einen gewissen Erholungseffekt hatte. Die Bänder und Sehnen schmerzten heute nicht mehr ganz so sehr. Insofern lag Marcel heute in der Gruppe wieder vorn.

Der anschließende Downhill ließ ähnlich wie gestern Urwald-Feeling aufkommen, nur mit dem Unterschied, das heute noch einiges an Dornensträuchern dazukam die die ohnehin schon schmalen Pfade weiter verengten. Da ließen sich so manche Kratzer nicht vermeiden. Die Biker versuchten auch in schwierigem Terrain auf dem Bike zu bleiben und nicht zu schieben, auch wenn es teilweise schon fast notwendig gewesen wäre. Denn neben dem Bike zu laufen hätte bedeutet zahlreiche Dornenattacken mehr hinnehmen zu müssen.


Achim konnte heute seine Eigenschaft als Konditions- und Uphillspezialist einmal mehr unter Beweis stellen. Denn gerade auf der heutigen Königsetappe kam ihm als Guide eine wesentliche Bedeutung zu. Die Gruppe war auf den langen Uphills teilweise relativ weit auseinander gezogen und er konnte sich heute einige Höhenmeter mehr als die eigentlich zu bewältigenden 3.200 auf die Fahne schreiben, da er bei den Uphills einige Male von vorderer Position wieder nach hinten fuhr um jeden einzelnen Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes 'über alle Berge zu bringen'.


Es hat sie nicht losgelassen: die Faszination Alpenüberquerung. Die beiden Journalisten vom Stern sind seit Sonntag dabei. Die drei gefahrenen Etappen gehen allerdings auch nicht gerade spurlos an ihnen vorüber, so das sie einen guten Eindruck davon bekommen was die Längsalpenüberquerer in den bisherigen zehn Etappen alles geleistet haben.


Das heutige Nachtquartier wird in einem alten und urigen Kloster aufgeschlagen. Kräfte sammeln für den morgen kommenden, längsten Uphill der gesamten Tour: 2.500 Höhenmeter am Stück.


Wetter:

Kein Tropfen Regen, die Sonne entwickelt langsam Kraft und lässt den Sommer einziehen.


Material:

Es gibt nichts neues an der Materialfront. Den normalen Verschleiß einmal ausgenommen.

Was sich auf der heutigen Etappe allerdings einmal mehr bewiesen hat, ist die Zuverlässigkeit und Notwendigkeit von Marcel's Kettenführung am Ritzel. Selbst dickere Ästchen, die heute in den Dornensträuchern nach der Kette griffen, hatten keine Chance sie aus der Linie zu bringen. Variabler Radstand kombiniert mit der Kettenführung: unschlagbares Duo.


Mittwoch, 21.07.2004 - 11. Etappe

Planung Zum Forte Bard im Aostatal (381 m) und über das Finestre di Camporcher (2826 m) nach Cogne unter dem Gran Paradiso

2900 Hm und 100 km


Live-Ticker Erlebnisse:

Auch heute ging es wieder sehr früh los. Um halb sechs standen die Biker auf, um genug Zeit zu haben für das allmorgendlich ablaufende Prozedere inklusive Frühstück.

Um sieben Uhr fiel der Startschuss für die Etappe mit einem Uphill der sich gewaschen hatte. Nachdem man am Forte Bard angelangt war, hieß es sich mit 2.500 Höhenmetern am Stück zu messen. Das Finestre di Camporcher wartete.

So wie sich die Sonne bis vor wenigen Tagen komplett aus dem Wetterbericht herausgehalten hatte, so unbarmherzig schlug sie heute zu. In sengender Hitze quälte sich die Gruppe bergauf. Dementsprechend hoch war auch der Wasserverbrauch. Da es leider nicht sehr häufig die Möglichkeit gab an sauberes Wasser zu kommen und es auch an klaren Gebirgsbächen mangelte, konnte der Flüssigkeitsverlust kaum ausgeglichen werden. Dementsprechend dehydrierten sämtliche Teilnehmer. Nicht genug Wasser von vornherein mitgenommen? Wer soll das transportieren? - Pro Stunde ein Liter könnte man als Faustformel nehmen. Nur bei Hitze und stehender Luft reicht das auch nicht.


Als Marcel mit Achim zusammen als erster den Treffpunkt nach 1.000 Höhenmetern erreichte, war die Gruppe schon eine dreiviertel Stunde auseinandergezogen. Trotz guter Wegverhältnisse.

Als es weiterging, rief wieder der Offroadzirkus der Alpen mit Schotter und zahlreichen Rampen. Am Gelände und der Umgebung konnte man mittlerweile erkennen das die Ostalpen hinter der Gruppe lagen, man war in den Westalpen angelangt die um einiges höher und schroffer sind.

Mit dem Finestre di Camporcher auf 2.826m erreichte man, die letzten Höhenmeter auf Grund des zum Schluss sehr steilen Pfades schiebend, schließlich den höchsten Punkt der heutigen Etappe. An einem Gewitter, wie in den letzten Tagen schon häufiger durchstanden, kamen die Biker dabei knapp vorbei.


Dieter hatte sich auf der gestrigen Etappe einen Wolf gefahren, da seine Bikehose noch nicht optimal eingefahren war. Dementsprechend quälend wurde für ihn der schier endlose Uphill. Aber er biss sich durch und bewältigte die letzten 300 Höhenmeter in bester Querfeldeinmanier indem er mit seinem Bike den Berg hinauf joggte.


Einkehren zur Brotzeit war heute auf Grund der Streckenführung nicht möglich.

Der bei Alpenüberquerern so 'heißgeliebte' Riegeltag war angesagt. Mittlerweile kann keiner der Teilnehmer die sämigen Kraftspender mehr sehen.


Dehydrierung, die reine Ernährung durch Powerbars und die Strapazen der 2.500 Höhenmeter sorgten dafür, dass zum Schluss der Etappe hin die Konzentration nachließ.

Das mag mit ein Grund gewesen sein, das es heute bei einem Downhill auf Schotter zu einem recht heftigen Sturz gekommen ist, bei dem sich ein Biker mehrmals überschlagen hat. Den Schreck tief in den Knochen sitzend, konnte er jedoch weiterfahren. Außer Schürfwunden ist ihm zum Glück nichts zugestoßen.


Die gesamte Gruppe ist mit ihrer Kraft am Ende. ''Wir sind einfach platt''. Wenn heute erst die siebte oder achte Etappe gewesen wäre, der Großteil der Jungs würde aufgeben. Auch Marcel hat die körperlichen Grenzen schon überschritten.

Aber so kurz vor dem Ziel werden alle morgen den letzten Abschnitt in Angriff nehmen. Marcel dazu: ''Auch wenn ich mit dem Bike auf meinem Rücken das Ziel kriechend erreiche. Das lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen!''


Wetter:

Sengende Hitze. Der Anteil Sommer den es auf den vorangegangenen, vor allem ersten Etappen, viel zu wenig gegeben hat, der wurde heute auf einen Schlag nachgeholt. Mit ähnlich kräftezehrendem Ergebnis wie die Eiseskälte am Anfang der Längsalpenüberquerung.


Material:

Nicht nur der Mensch, auch das Material leidet. Die unzähligen Höhen- und Kilometer haben mittlerweile Spuren hinterlassen. Das Bike ächzt und knarzt im Wiegetritt nach den 11 Etappen die ein ganzes Fahrradleben darstellen. Die Fat Albert sind mittlerweile so weit abgefahren, das sie bei der morgigen Zielankunft eher Slicks als Stollenreifen gleichen werden.

Bremsbeläge? Der dritte Satz ist am Start.


Donnerstag, 22.07.2004 - 12. Etappe

Planung Durch das Vallon di Cogne ins Aostatal (665 m) und über den Colle San Carlo (1951 m) auf alten Dynamite Trails nach la Thuile (1441 m), anschließend auf den Colle di Chavannes (2603 m) mit grandiosem Blick auf den Monte Bianco, bergab durch das Val Veny nach Courmayeur

2500 Hm und 90 km


Live-Ticker Erlebnisse:

ES IST VOLLBRACHT!

Soviel vorab. Marcel hat mit seinem Singlespeeder die Alpen in Längsrichtung von Ost nach West bezwungen!

Aber bevor es soweit war, musste die letzte Etappe geschafft werden:


Der Biker-Tag begann wie immer früh morgens. Heute allerdings mit etwas Unerwartetem. Ein weiterer Teilnehmer stieg vor Beginn der letzten Etappe aus. Ausgerechnet vor der letzten Etappe. Die Längsalpenüberquerung lag in greifbarer Nähe. Aber wenn der Körper nicht mehr will, geht es nicht mehr. In so einer Situation zeigt man mehr Größe mit Verstand die Tortur zu beenden als sie mit aller Gewalt fortzusetzen.


Marcel, Achim & Co. starteten in einen Tag, der noch einmal reichlich Sonne bieten sollte. Es wurde eine Fahrt von Wasserstelle zu Wasserstelle.

Auf einer anfangs humanen Piste, die sich in alte Militärstraßen verwandelte und stetig steiler wurde, schraubte man sich in 2.400m Höhe.

Den Tritt gefunden, kurbelte sich Marcel gleichmäßig aufwärts und kam als erster auf einer Passhöhe an. Hier bot sich ihm der Blick auf den alle seit 11 Tagen gewartet haben. Der Mont Blanc.

Marcel und die nach ihm ankommenden genossen diese grandiose Aussicht eine dreiviertel Stunde bis die Gruppe wieder vollzählig war. Der Mont Blanc zeigte sich von seiner schönsten Seite indem er seinen häufig wolkenverhangenen, 4.807 Meter hohen Gipfel den Blicken der Längsalpenüberquerer preisgab. Ein bewegender Augenblick für die Biker, von denen einige die eine oder andere Träne im Augenwinkel hatten. Das Ziel einer so harten Strapaze letztlich vor Augen zu haben. Verstehen kann so etwas nur, der etwas derartiges selbst schon erlebt hat.


Die Gruppe wurde auch heute von den Journalisten des Stern begleitet, die den letzten Tag dazu nutzten, eine längere Pause von einer guten Stunde in eine wahre Fotosession zu verwandeln. Man darf auf die Bilder gespannt sein.


Die Plackerei bergauf wurde belohnt mit einem Downhill von 2.000 Höhenmetern. Ein Singletrail der in Schotterpisten überging und einen Gletscher des Mont Blanc querte. Die letzten Kilometer nach Courmayeur wurden auf Teerstraßen zurückgelegt.


Sie sind angekommen. Alle völlig fertig, aber glücklich. Respekt für alle die es geschafft, aber auch für diejenigen die nicht bis zum Schluss durchgehalten, sich aber an diese Unternehmung gewagt haben.


Marcel Hahn hat mit seiner Längsalpenüberquerung per Singlespeeder Bikegeschichte geschrieben. Das kann man unumwunden so schreiben.

Glückwunsch!


Wetter:

Es war heiß. In zwölf Tagen erlebte man durchweg alle Jahreszeiten und sämtliche ihrer Spielarten. Heute war wieder wahrer Sommer angesagt.


Material:

Das Bike hat sich als längsalpentauglich erwiesen. Welcher Härtetest könnte mehr aussagen?


Wie geht es morgen weiter?


Mit der Seilbahn über das Mont Blanc Massiv für satte 65,00 €. Anschliessender Übernachtung in Chamonix um Übermorgen frisch gestärkt die Heimreise anzutreten.

Längsalpenüberquerung


Die Story


Willkommen beim ''Livebericht'' zu meiner Längsalpenüberquerung!


Hier konntest Du zwischen dem 11. und 24. Juli 2004 mit dabei sein, als es hieß mit dem Singlespeeder die Alpen in Längsrichtung vom Watzmann bis zum Mont-Blanc zu überqueren. Die Postings sind Zusammenschnitte von Marcel's täglichen Tourberichten.

Auch die BikeSportNews berichtete über die Längsalpenüberquerung...


Im Singlespeedforum unter www.mtb-news.de war und ist auch einiges los. Hier geht's zu den ''Livepostings'':

Thread 1 auf www.mtb-news.de

Thread 2 auf www.mtb-news.de


Fotos von der Tour findet ihr hier auf dieser Site oder unter www.wolfwehnert.de.


Etappenzusammenfassungen von Markus Hübner.